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Der "erhobene Zeigefinger", diesmal: Schlagzeuggeschichte

Dieses Thema im Forum "Musik, Kino, TV + Medien" wurde erstellt von Gast1463, 24 September 2013.

  1. Gast1463

    Gast1463 Guest

    Nach der Wahl wird so mancher Politiker statt eines anderen Fingers den
    Zeigefinger wieder wertschätzen. Anlass zu einem erneuten "erhobenen
    Zeigefinger"
    , diesmal: Schlagzeuggeschichte (Versuch einer
    Übersicht: angefangen von zuweilen etwas verzerrter Wikipedia gibt's massenhaft
    Literatur zur, wenn man möchte, schlagzeuggeschichtlichen Vertiefung). - Kürzer
    ging's leider nicht.

    Zunächst ist es gut, dieses eigenartige Instrument zu beschreiben, das
    traditionell-deutsch unter "Krach" abgewertet wird, lässt man sich angeblich
    daran nicht höchstpädagogisch "unterweisen". Unter Schlagzeug wird nicht eine
    einzelne Trommel, sondern im wesentlichen ein System aus Trommeln, aber auch
    Becken (Cymbals) verstanden. Lernt man auf einer einzelnen Trommel etwas, in der
    Regel auf einer Kleinen Trommel (oder Snare), muss man das anschließend auf das
    ganze Schlagzeug übertragen lernen. Die Mindestgröße eines Schlagzeugs
    entspricht den vier Gliedmaßen (zwei Hände, zwei Füße), d. h. es besteht aus
    vier Teilen oder Teil-Instrumenten (und als Fünftem dem Bereich alles
    Zusätzlichem):

    #1 Kleine Trommel (Snare)
    #2 Große Trommel (Basstrommel, Bass Drum)
    #3 Becken (Cymbals)
    #4 Hihat
    #5 Alles Zusätzliche (Tomtoms, Kuhglocken,
    sonstige Perkussion, Elektronik, ...)

    #1-4 werden nicht als einzelne, sondern aufeinander abgestimmte
    Teilinstrumente bzw. Instrumentteile gespielt (ebenso dann #5). Dadurch entsteht
    ein neues Instrument, das Schlagzeug. Jene Abstimmung der Schlagzeugteile
    untereinander ist nicht kurz mal und irgendwie getan. Sondern jene Abstimmung
    ist ein Entwicklungsprozess, der seit Entstehung des Schlagzeugs vor mehr als
    hundert Jahren begann und der sogar heute, trotz oder wegen Globalisierung,
    Internets und Computers, nicht enden will.

    Vielmehr ermöglichen Globalisierung, Internet und Computer erst, die
    zunehmende und weltweite Vielfalt der Schlagzeugentwicklungen systematisch in
    vertretbarer Zeit nun zu durchdringen. Vielfältige Stile haben sich entwickelt,
    entwickeln sich mit Hilfe von Computern weiter sowie neu und werden immer mehr.
    Dabei ist die Grenze immer wieder die Rückkehr zum Menschen als Maßstab.
    Beispielsweise dient ein Computer bisher kaum der Produktion bisher nicht
    vorstellbarer Schlagzeugklänge. Vielmehr imitiert man per Computer im
    wesentlichen die Klänge, die man an einem wirklich existierenden Schlagzeug
    spielen kann. Dazu muss man vorher die zunehmende globale Vielfalt an Stilen und
    ihre Geschichte durchdrungen und verstanden haben (sollte man zuerst selbst,
    ohne pädagogische "Unterweisung", per Internet versuchen).

    Das Schlagzeug ist im wesentlichen ein Instrument unbestimmter Tonhöhen. D.
    h. besonders Trommeln, aber auch Becken und andere Teilinstrumente sind in der
    Regel nicht nach einem bestimmten Ton wie C, D# oder Bb, usw, gestimmt, sondern
    quasi nach Hoch-Tief-Abstimmung. Zum Beispiel haben gut gestimmte Tomtoms eine
    auch in größerer Entfernung voneinander unterscheidbare Ton-Höhe bzw. Tiefe,
    aber nicht genau nach C, D# oder Bb, usw, sondern deutlich höher oder deutlich
    tiefer unterscheidbar vom anderen Tomtom.

    Die feste Einbeziehung von Teilinstrumenten bestimmter Tonhöhen,
    beispielsweise eines chromatischen Glocken-/Kuhglockensatzes (etwa in den
    1930ern in den Swing-Big-Bands) oder Keyboards (etwa in den 1990ern bei manchen
    Avantgardejazz-Bands) blieb immer Ausnahme.

    Von seiner Entstehung bis heute zeigt sich das Schlagzeug im wesentlichen als
    ein im US-europäischen Raum entwickeltes Instrument. Dabei ist nicht
    alles so einfach auf Jazz, USA und ethnisch Schwarz-Weiß zurück zu führen.
    Sondern der lateinamerikanische Einfluss, vor allem Kuba und das schon in Jazz-
    und Blues-Vor-Formen (vor etwa 1890), ist bis heute nicht zu unterschätzen.

    Mehr gegenwärtig lateinamerikanischen Einfluss und seine Ausbreitung
    kann man verfolgen, wenn man etwa am Freitag, den 20. September 2013, ab ca.
    20:00, Bühne Friedrichsplatz, auf dem Stadtfest zu Kassels 1100tem jene
    zwölfköpfige Seeed- bzw. Peter-Fox-Coverband erlebte oder gar Peter Fox
    selbst in den letzten Jahren hörte - vereinfacht: etwa aktuelles Blasorchester
    (inklusive oft mehrstimmig überwiegend männlichem Gesang) wie in/um Mexiko City
    (suche und höre mit Hilfe des Internets); dortige Schlagzeug-Begleitung war um
    2005 fast überall auf Kuba zu hören und ist nicht nur bei Chris
    Dave
    (siehe vorherige "Zeigefingers"), sondern auch sehr markant zu hören in
    Popcaan (Jamaika, Dancehall, aktueller Reggae), "She Gone", 2011:

    [video=youtube_share;H7nU3qLtkVQ]http://youtu.be/H7nU3qLtkVQ[/video]

    Fortsetzung folgt - Der "erhobene Zeigefinger.